Warum reise ich eigentlich in das Land, von dem ich wohl die meisten negativen Vorurteile habe. Warum in den Winter, wo doch in Südamerika zurzeit Sommer herrscht. Warum das Land mit den schikanierendsten Einreisebestimmungen. Warum gerade in den Staat mit dem krassen Kalifornien-Akzent. Ja, warum nur. Um nicht nur immer von Vorurteile zu sprechen, sondern zu wissen von was ich spreche. Auch wenn hier Winter ist, Temperaturen sind eigentlich durchwegs angenehm. Das Visum kostete mich zwar nerven und einen Tag in Bern, doch schlussendlich sind es auf die 2 Monate gesehen nicht ein grosser Einsatz. Zum letzten warum kann ich eigentlich nicht viel sagen, ausser dass der Kalifornien-Akzent einfach cool ist. Kann man eigentlich mit der Schweiz vergleichen, der Walliser-Dialekt ist doch auch cool für uns Innerschweizer, oder nicht
?
Nach zwei Monaten Südamerika-Reise zusammen mit Lucia heisst es in Argentinien – genauer genommen in Buenos Aires von meiner geliebten Abschied nehmen. Die Reise für Lucia ist hier leider zu Ende und führt zurück nach Hause ins Herz der Schweiz. Meinerseits beginnt während des Abschieds von Lucia die zweite Hälfte meiner vier monatigen Abwesenheit. Für die nächsten acht Wochen werde ich in San Diego (La Jolla) einen fixen Wohnort haben und dort während dieser Zeit eine Englisch-Schule besuchen.
Nachdem ich die Grenze in die Staaten erfolgreich und ohne nennenswerte Probleme passiert habe heisst es sich mal mit der Südkalifornischen Sonne vertraut machen. Anfänglich machte ich mir noch die Mühe und ging mit dem ÖV zur Schule, doch nach einiger Zeit war mir dies irgendwie zu Mühsam und zu aufwendig. Denn wie so allgemein bekannt, ist so einiges nicht erreichbar nur mit dem Bus oder Zug. So mietete ich mir ein Auto für zwei Monate.
Die Schule nahm so ihren Lauf und ich lernte sehr schnell und einfach neue Leute kennen. Auch die Fluggebiete rund um San Diego wollte ich so schnell als möglich erkundschaften und befliegen. So gibt es direkt vor meiner Haustür (15 Minuten) die weltbekannten Torrey Pines, welche direkt am Meer Richtung Westen ausgerichtet sind. Dies sind ca. 100 Meter hohe Cliffs, welche beinahe senkrecht bis zum pazifischen Ozean runter gehen. Der Startplatz ist eine von Hand grün gehaltene Wiese wo sogar mit dem Delta top gelandet werden kann. Leider war der Dezember und der Januar nicht so windig wie ich erhoffte. Für ein paar Flüge reichte es aber alleweil noch.
Wer geht schon am 25. Dezember fliegen, ja klar doch, ist ja schliesslich ein freier Tag. Ich nutzte den schönen Tag um Horse Canyon im Osten Von San Diego zu befliegen. Da es hier fast bis gar keine öffentliche Transportmittel zum Startplatz gibt ist das fliegen halt viel mit wandern verbunden oder man hat eben einen 4WD. Glücklicherweise hatte ich vor meiner Abreise noch das Fly&hike Gurtzeug von Woody Valley besorgt und somit war der Marsch zum Startplatz dann nur halb so schlimm
. Horse Canyon ist eine Kante entlang eines breiten Tales, wo nach Untergang der Sonne zum teil noch herrlich in der Abend-Gloss gesoart werden kann, auch im Winter zum Teil. Die anschliessenden Tage verbrachten wir im unglaublichen und so monströsen Las Vegas. Und nein, ich verprasste nicht mein ganzes Geld an den Tischen oder Automaten, viel lieber gönnten wir uns die ultimative Show vom Cirque du Soleil. Auf der Heimfahrt betrachteten wir noch die unglaubliche Schönheit des Death Valley. Und war es noch nicht gewusst hat, hier kann es auch mal so richtig Schneien. Die Strecke Las Vegas San Diego ist in weniger als 5 Stunden zu bewältigen, wir brauchten aufgrund des Schnees geschlagene 13.5 Stunden. Und dies wohlverstanden mit Sommerfinken, gibt ja auch nichts anderes hier
.
Zurück in La Jolla heisst es wieder büffeln und so viel Englisch lernen wie möglich. Leider waren nur Flüge in der näheren Umgebung möglich. Die schlechteste Windrichtung ist Ostwind, da geht meistens keine der Fluggebiete. Herrscht dann aber mal Windstille oder leichter Nordwestwind, kann im Blossom Valley (Lakeside) von einem 300 Meter Hügel wunderbar geflogen werden. So durfte ich dort wieder einmal mehr ein paar sehr nette Amis kennenlernen, welche an den darauffolgenden Tagen sich noch an meinen Namen erinnerten
.
Das wohl schönste Fluggebiet sparten sich wohl die Einheimischen bis zum Schluss. Vor ein paar Tagen trafen wir uns am Rande der Wüste Richtung Osten. Julian (Apple-Pie) ist der nächst grössere nennenswerte Ort. Diese Gegend wurde vor ca. 4 Jahren komplett niedergebrannt und war die letzten 3 Jahre komplett schwarz und leer von jeglicher Vegetation. Jetzt kommt langsam wieder Leben und Grün zurück in die Gegend. Leider war an diesem Tag die Inversion so stark und das Wetter so stabil, dass es gerade mal für 15 Minuten Gleitflug in die Wüste reichte. Aber schon nur das Erlebnis von diesem Berg (Mt. Laguna) zu fliegen war für mich eine Einmalige Sache. Bei guten Verhältnissen fliegen die hier gut und gerne mal gegen die 100 Kilometer. Auch gibt es hier einen sauberen Deltastartplatz, fast noch sicherer als der Gleitschirmstart.
Ja, und jetzt geniesse ich hier noch meine letzten Tag auf dem nordamerikanischen Kontinent bevor es dann Ende Januar/Anfangs Februar wieder zurück in die Schweiz an die Arbeit geht.
Möchte jemand noch ausführliche Tips zu den diversen Startplätze, sehr gerne. Sind auch alle Delta tauglich. War zweimal mit Deltapiloten unterwegs, zum selber fliegen reichte die Zeit leider nicht aus. Auch waren die Verhältnisse etwas zu schwach.
Mein Fazit über das Land und Leute ist geteilt. Überall traf ich auf meist freundliche und sehr hilfsbereite Amerikaner. Vor allem welche mit mir das selbe Hobby teilten waren ausgesprochen zuvorkommend und boten Hilfe an. Es war überhaupt kein Problem mit Lokalen Piloten etwas zu unternehmen, im Gegenteil, ich bekam von allen Seiten her Infos, Telefonanrufe oder Emails. Hier wird übrigens alles über Twitter.com organisiert, geht wirklich am einfachsten und ist unkompliziert. Wo ich etwas Mühe habe, ist die Einstellung gegenüber dem Rest der Welt. Da entsprechen (leider) viele dem Klischee. Und natürlich die Autos, da komme ich mir mit meinem kleinen Suzuki (grösser als mein Micra) neben all diesen Pickups und SUV schon sehr sehr klein vor. Ja, Leib und Wohl soll ja besonders geschützt und Safety sein. Ja, das Wort Safety haben die Amerikaner wirklich erfunden. Es herrscht ein regelrechtes Wettrüsten was die Sicherheit im Land oder sogar ums Haus herum angeht. Mit der Angst wird hier ganz schön Kohle gemacht. Daneben ist der Zustand von gewissen Strassen zum Teil sehr schlecht – ich würde sogar behaupten zum Teil gleich schlecht oder schlechter als in Argentinien. Es kommt darauf an ob Free- oder Highway. Aber an den Strassen erkennt man wie gut es um den Staatshaushalt steht, also demnach nicht so wirklich gut. Und dies im angeblich reichsten Land der Welt, nach deren Meinung
. Ich werde die USA mit einem positiven Gefühl und ein paar bestätigten Klischees demnächst verlassen und in unsere angeblich heile Welt zurückkehren
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